Biederman

Biederman – Dadrock, Lebensfrust und Mitsingnummern mit Haltung

Biederman ist eine Wiener Band, die den Alltag dort abholt, wo Rock’n’Roll meistens lieber wegschaut: zwischen Kindern am Schoß, Lebenshaltungskosten im Genick, Beziehungsmüdigkeit, Lust, Frust, Familienchaos und dem Versuch, trotzdem noch Haltung, Humor und ein bisschen Wahnsinn zu bewahren.

Entstanden ist Biederman bereits 2007. Nach der ersten Euphorie verschwand das Projekt wieder ins Privatleben – dorthin also, wo viele der heutigen Songs offenbar in aller Ruhe gären konnten. Nun ist Biederman wieder da: ausgegraben, entstaubt, mit neuen Liedern und einem Sound, der dreckige Rocksongs, fulminante Balladen und eingängige Mitsingnummern verbindet. Auf der offiziellen Bandwebsite beschreibt sich Biederman als Wiener Band zwischen Comedy, Live und Pop; dort finden sich auch Songs wie „Philemon und Baucis“, „Mama und Papa“, „Betrüge mich“, „Privat Konkurs“ und „Das Wüste lebt“.

Das Motto ist so ehrlich wie komisch: Als Biederman ist es schwierig mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Biederman macht daraus kein Problem, sondern Material. Die Band vertont genau diesen Spagat: mal nüchtern analytisch, mal bissig selbstironisch, dann wieder überraschend emotional – und immer mit einem sehr wachen Blick auf die unendlichen Weiten stabiler Beziehungen.

Die Texte sagen schon viel über den Tonfall der Band: Der Frust singt „Kleinfamilie ist Scheiße“ oder „Betrüge mich“, die Lust antwortet mit „Polymore mio“, und am Ende sind „Mama und Papa“ dann doch noch immer zusammen. In „Amygdala“ wird mit dem Sitz der Angst im Hirn gerungen, gestressten Jungmüttern wird zugerufen: „Heute Nacht wird abgestillt“ – und bevor die KI-Blase platzt, gehen alle noch schnell in Privatkonkurs. Das ist böse, zärtlich, absurd, alltagsnah und ziemlich österreichisch.

Musikalisch nennt SALONiko den Stil von Biederman „RetroSillyPapas“ – eine Mischung aus Retro-Rock, bissigem Humor und zeitloser Melancholie. Dort wurde auch festgehalten, dass die beiden Gründer Gernot Plass und Georg Schubert einander seit mehr als einem Vierteljahrhundert kennen und vielen Wiener Theaterbesucher:innen von der Wiener Bühne TAG bekannt sind. Genau diese Theatererfahrung spürt man: Biederman ist nicht nur Band, sondern auch Bühnenereignis. Die Songs haben Figuren, Pointen, Brüche und kleine dramaturgische Gemeinheiten.

Auch andere Veranstalter greifen diesen Charakter auf. Der Original Wiener Praterkasperl kündigte ein Biederman-Weihnachtsspecial 2025 als „unverwechselbaren Dad Rock mit echten Dads“ an und versprach eine Show, die „gleichermaßen zündet, berührt und nachklingt“. Die Wiener Loop Bar wiederum führt Biederman 2026 als Konzertact mit Release-Party und beschreibt den Sound ebenfalls als mitreißend, ehrlich und unverwechselbar.

Die Besetzung ist klar und kompakt: Georg Schubert singt, Gernot Plass spielt Gitarre und Klavier, Max Hoffmann Bass und Ferdinand Strasser Schlagzeug. Gemeinsam machen sie Musik, die nicht so tut, als wäre das Leben einfacher, als es ist. Biederman lacht über den Alltag, aber nie billig. Die Band schaut dorthin, wo es weh tut – und dreht dann den Verstärker auf.

Und was darf bei einem Biederman-Konzert auf keinen Fall passieren? Vielleicht, dass alles zu brav wird. Denn diese Band lebt davon, dass der Schmäh sitzt, der Song trägt und das Publikum irgendwann merkt: Das ist zwar Dadrock. Aber ziemlich guter.

2026
„Biedermann“ spielt am Rock Rodaun Musikfestival 26 am
Samstag 13. Juni 2026 – 18.00 bis 18.45 Uhr

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